Null Grad – mit dem Fahrrad im Winter entlang der Donau von PASSAU nach WIEN – Teil 1

350 Kilometer bei nass-kaltem Wetter im Februar 2018 – Bericht von G.R.  – Teil 1

Wenn Du Einsamkeit suchst und Regen und Kälte nicht scheust, dann fahre die DONAU im Winter auf Wegen und Straßen entlang – als verrückt, als zu kalt, zu lange oder unnötig oder als abenteuerlustig werden es Freunde und Bekannte bezeichnen. Kaum jemandem begegnet man, viele Ortschaften scheinen menschenleer zu sein, kaum ein Gasthaus ist geöffnet. Und der Weg ist teilweise ruppig, oftmals nass und rutschig, an manchen Stellen schlammig, dann wieder asphaltiert oder auch gepflastert – aber die Fahrt lohnt sich: wunderschöne Landschaften präsentieren sich im Tagesverlauf in unterschiedlichen Stimmungen entlang des immer breiter werdenden Stroms. Die Fahrtgeschwindigkeit erlaubt ab und zu kurze Blicke in Seitentäler, man erkennt Zuflüsse oder Wege hinauf über die steilen Anstiege entlang des Donautals. Staudämme lassen sich überqueren, um ans andere Ufer zu gelangen, Fähren allerdings sind um diese Jahreszeit fast ausnahmslos außer Betrieb. Kunstvolle Bauwerke und Pilgerstätten weisen auf die frühere Bedeutung der Donau als Verkehrsweg hin und auf den Reichtum, der damit verbunden war. Folgend ein Bericht zur gefahrenen Strecke mit Hinweisen betreffend Fahrrad und Material bzw. Bekleidung.

Wegen des bereits seit den frühen Morgenstunden anhaltenden Regens fahre ich in MÜNCHEN zum Bahnhof und dann mit dem Zug nach PASSAU – starte also dort meine „verkürzte Version“. Die Dame im Reisezentrum bemüht sich sehr, die günstigste Variante zu finden – schließlich kaufe ich Tickets für das Fahrrad und mich um 41 Euro. Nach zwei Stunden Zugfahrt mit Kaffee und Sandwich steige ich aus, während ein älterer Mann mir auf die Schulter klopft und mich lobt, „toll bei dem Wetter – aber ich bin mein Leben lang nur Rad gefahren, hatte nie ein Auto“.

In PASSAU rolle ich vom Bahnhof auf einer in Renovierung befindliche Seilbrücke über die DONAU, blicke dabei in die Einmündungen der Flüsse INN und ILZ. Schade, dass ich keine Zeit habe, um mir die Stadt näher anzuschauen – ich beschließe deshalb wiederzukommen. Der Regen und zwei Grad plus machen mir wenig Gusto wirklich loszufahren, aber mein Motto ist heute: „fahre nur lange genug – dann hört irgendwann der Regen auf“. Also geht es am Nordufer der DONAU los Richtung LINZ.

Abwechselnd auf Straße und Radweg fahre ich die ersten Kilometer nach OBERNZELL. Dort muss ich mich in der Toreinfahrt eines Hauses mit meinem Rad unterstellen, weil es richtig schüttet, dazu läuten die Mittagsglocken. Also eine Stunde knapp über fünfzehn Kilometer gefahren rechne ich mir aus, weil ich um elf gestartet bin – wirklich keine besondere Leistung. Radcomputer habe ich keinen montiert und gegen Navi am Rad sträube ich mich bisher immer noch; lediglich die Kopie einer 1:150.000er Karte habe ich mit – die ist ein Ausschnitt einer BAYERN-Radkarte und reicht bis an die SCHLÖGENER Schlinge; „aber was soll‘s“ denke ich mir „fahre eh nur den Fluß entlang – da geht’s sogar noch bergab und die Landessprachen sind mir auch geläufig“ – brauche also keine Karten kaufen. Ich trinke warmen Tee aus meiner Thermosflasche und setze nach einer kurzen Pause die Fahrt fort. Der Regen will nicht aufhören. Weiter geht es über ENGELHARTSZELL, immer am linken Donauufer entlang. Bei NIEDERRANNA überlege ich kurz im Vorbeifahren an der Brücke über die DONAU ans rechte Ufer zu fahren, bleibe aber dann da – will ja die SCHLÖGENER Schlinge am linken Ufer entlangfahren.

Bald darauf ruft mir jemand aus einem in der Wiese geparkten BMW zu: „do kuumst net ummi“ – „will ich eh net“ denke ich mir und radle weiter, die Straße wird nun schmäler und ist praktisch unbefahren. Weiterhin Regen. Das gegenüberliegende Ufer wird länger und ich sehe den Beginn einer mächtigen Linkskurve – „da muss wohl die SCHLÖGENER Schlinge beginnen“ denke ich. Die Straße wird zum Weg und ich muss bald feststellen, dass sie hier endet. Also kein Weiterkommen auf dieser Seite. Jetzt erst verstehe ich die Botschaft des Zurufers, weil ich dem auf einem riesigen Schild montierten Fähren-Fahrplan entnehme, dass jetzt – im Winter – keine Überfuhr möglich ist…und die Straße ja hier endet.

Also fünf Kilometer zurück zur Brücke, hinüber und die Landstraße entlang über WESENUFER bis zum Hotel Donauschlinge, wo ich eine kurze Pause mache, um mich vom Ärger über den Umweg zu erholen. Ich trinke meinen letzten warmen Tee vor dem Hotel mit Blick auf den langsam fließenden Strom und freue mich auch schon darauf, am rechten Ufer die SCHLÖGENER Schlinge entlangzufahren – obwohl es noch immer regnet. Kaum aufgesessen stehe ich aber schon wieder wegen einer Straßensperre mit Fahrverbot. „Behördliche Sperre wegen Felssturz“ heißt es da. Was also tun? Am linken Ufer kein befahrbarer Weg und am rechten Ufer die Straße gesperrt. Irgendwer sagte mir kürzlich, dass der Donauradweg im Winter „keine gute Idee“ sei – Danke.

Teil 2/3