Null Grad – mit dem Fahrrad im Winter entlang der Donau von PASSAU nach WIEN -Teil 2

350 Kilometer bei nass-kaltem Wetter im Februar 2018 – Bericht von G.R. – Teil 2

Also nochmals zurück auf die Bundesstraße 130 und Richtung EFERDING ergibt mein Natur-Navigations-Talent. Dabei geht es mehrere Kilometer einen Hügel bergauf – besonders der flotte Durchzugsverkehr auf der B 130 und das Spritzwasser der LKWs spornen mich an, diesen Abschnitt in einem durchzuziehen. Vor der Abfahrt im Regen halte ich aber noch kurz an, stelle das Rad in einem Bus-Wartehäuschen unter und pumpe die Reifen auf knapp vier bar auf, so fühle ich mich sicher – prüfe nochmals Licht und Rücklicht und rolle runter, biege dann ab Richtung ASCHACH, um wieder an die DONAU zu gelangen. Von den 200er Brevets im Mühlviertel kenne ich das Gasthaus DIEPLINGER etwas außerhalb von ASCHACH und freue mich schon auf eine heiße Suppe. Von weitem schon ist das Gebäude zu sehen und ich radle zügig auf das Gasthaus zu. Heute scheint nicht mein Glückstag zu sein – Ruhetag beim DIEPLINGER. Aber der Regen wird nun schwächer und ich beschließe meine Fahrt fortzusetzen – noch ca. 30 Kilometer bis an mein Tagesziel in LINZ. Große Freude bereitet mir bald darauf der Umstand, dass der Regen ganz aufhört, was den Glauben an mein Tagesmotto bestätigt. Ich wechsle daher die nassen SEALSKINZ Handschuhe gegen die trockenen warmen RAPHA Handschuhe und werde plötzlich richtig fröhlich. Die Beinlinge beginnen im Fahrtwind zu trocknen und die RAPHA Radhose war nur außen nass geworden (der Abperl-Effekt funktioniert wirklich). Am Donaukraftwerk OTTENSHEIM ist die Beschilderung des Radweg-Verlaufes so verwirrend für mich, dass ich beschließe auf die Bundesstraße 129 – die LINZER Straße – zu wechseln und über WILHERING mein Tagesziel zu erreichen. Nun kommt das zusätzliche Super-Rücklicht mit Blinkmodus zum Einsatz und ich fahre in der Dämmerung im Abendverkehr bis ins Zentrum von LINZ – mit allen Umwegen, hin und her heute schließlich ca. 110 Kilometer geradelt.

Nach einer ordentlichen Portion Chili-Leberkäse und einem Seidl Puntigamer beim Leberkas-Pepi beziehe ich Quartier bei Benedikt, dusche dort warm und ziehe mich auf der Couch in meinen neuen Schlafsack zurück; es dauert dann noch eine halbe Stunde bis ich mich auch innerlich erwärmt fühle. Von der später servierten Käse-Rucola-Pizza bewältige ich die Hälfte, dann schlafe ich gegen neun Uhr ein – ungewiss, ob ich morgen meine Fahrt fortsetzen werde – so kaputt fühle ich mich. Am nächsten Morgen erwache ich kurz vor sechs Uhr spontan und fühle mich ausgeruht und stark – kein Zweifel mehr an der Fortsetzung meiner Fahrt; die neun Stunden Schlaf haben mir gut getan und ich beschließe künftig keine Schlaflos-Fahrten mehr zu unternehmen. Tee machen für die Thermoskanne, alles einpacken, anziehen, das schwere Rad hinunterschleppen, eine kurze Verabschiedung und Dank an den Gastgeber und weiter geht’s.

Bei der Bäckerei HONEDER in der Landstraße in LINZ nehme ich noch einen Espresso und ein Croissant zu mir, packe ein Sandwich mit ein und rolle um Punkt Sieben über den Hauptplatz auf die Nibelungen-Brücke zum Radweg am linken DONAU-Ufer. Es regnet heute nicht, die Temperatur mit null Grad – perfekt.

Noch ist der Tag graublau, gegenüber sind im morgendlichen Dunst die VÖEST-Stahlproduktions-Anlagen zu sehen. Ich habe die etwas wärmere, lange Winter-Radhose angezogen und trage heute die Randonneur-Winterjacke, sodass mir nach wenigen Kilometern am Körper angenehm warm wird. Die Füße sind noch immer grenzwertig kalt – ich bewege immer wieder die Zehen auf und ab während ich kurble und muss gelegentlich stehen bleiben und herumtrampeln.

In MAUTHAUSEN halte ich kurz, kaufe mir einen Coffe To Go und esse einen von Sebastians Riegeln, den SPONSER Oat Pack, der mir besonders gut schmeckt. Man kann hier nicht einfach durchfahren ohne daran zu denken, dass zigtausende Menschen im Konzentrationslager MAUTHAUSEN mit Außenstelle in GUSEN an Zwangsarbeit, Hunger und Kälte gestorben sind bzw. umgebracht wurden….Der Weg führt mich weiter entlang des immer breiter werdenden Flusses nach GREIN; es war im Mittelalter unter den BABENBERGERN eine bedeutende Siedlung und blühte besonders wegen des regen Schiffsverkehrs auf. Die stromabwärts liegende Enge des Donautales ließ eine gewisse Kontrolle der Passage zu. Ich kehre auf eine Leberknödelsuppe ein und lasse meine Thermosflasche mit Tee füllen. Die Hälfte der heutigen Etappe war bereits geschafft und so freue ich mich besonders auf die Fahrt durch die WACHAU. Vor SPITZ höre ich Kettengeräusche und trete dann plötzlich ins Leere. „Scheiße, gerissene Kette“ denke ich und verfluche mich schon selbst, weil ich keine Reservekette mitgenommen habe…in diesem Land der perfekten Infrastruktur! Gleich fällt mir auch ein, dass die Kollegin in MÜNCHEN gesagt hatte ich soll mich gelegentlich melden und auf jeden Fall, wenn ich eine Panne habe – sie holen mich dann. Zum Glück war es aber nur eine rausgesprungene Kette, die ich leicht wieder einlegen kann – die Geräusche aber wollen nicht aufhören und so beschließe ich Kettenöl zu besorgen. In SPITZ fahre ich zum Lagerhaus in der Nähe des kleinen Bahnhofs und frage nach Kettenöl für das Fahrrad. „Na Radlöl hamma ned“ sagt der freundliche Herr im Lagerhaus. „Na und für Kettensägen oder Nähmaschinen?“ will ich wissen. „Ja sicher, für Kettensägen schoo – wollens an Liter oder fünf?“ fragt er mich. Ich danke höflich und verschiebe die Kettenölung. Bald darauf erreiche ich KREMS, kaufe im Radgeschäft an der Donaulände 100 ml NEOVAL Bike Oil W 40 – das zähe Winteröl (hier zum Preis von 10 Euro – vermutlich gleich wie 5 Liter Kettensägenöl im Lagerhaus). Bei Anna und Clemens werde ich beherbergt; auch hier gibt´s Pizza und nach interessanten Gesprächen ruhe ich bald nach heute ca. 150 Kilometern – gefahren in zehn Stunden.

Teil 3/3

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